Prozess in München
NSU: Aussage von Böhnhardts Mutter vertagt
Brigitte Böhnhardt / Quelle: imago
Bild: Brigitte Böhnhardt
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Im Münchner NSU-Prozess sollte heute die Mutter des Neonazis Uwe Böhnhardt als Zeugin gehört werden, jetzt wurde die Aussage auf den 19. November vertagt. Brigitte Böhnhardt hatte auch schon vor dem Untersuchungsausschuss des Thüringer Landtages ausgesagt. Sie und ihr Mann hätten von den Verbrechen des "Nationalsozialistischen Untergrundes" nichts gewusst, sagte sie dort.

Brigitte Böhnhardt hatte das Trio nach eigenen Angaben bis zum Frühjahr 2002 mehrfach zusammen mit ihrem Mann in Sachsen besucht. Die Ermittler gehen davon aus, dass sie die Drei auch mit Geld unterstützten. Hätte sie von den Verbrechen gewusst, hätte sie die Polizei auf die Spur ihres Sohns geführt, sagte die Lehrerin einmal in der ARD.
Vater Mundlos: Behörden ließen spätere Terroristen unbehelligt
Der Vater von Uwe Mundlos warf den Sicherheitsbehörden am Montag vor, die späteren NSU-Terroristen absichtlich nicht behelligt zu haben.  Man habe eindeutige Hinweise ignoriert, kritisierte er vor dem NSU-Untersuchungsausschuss in Erfurt.
Siegfried Mundlos warf den Behörden vor: "Man hat gewusst, wo die sind, dass die in Chemnitz sind. Man hätte die in den ersten vier Wochen fassen können", sagte er. Die Zielfahnder des Landeskriminalamtes hätten von Anfang an eindeutige Hinweise darauf gehabt, wo sein Sohn gemeinsam mit Uwe Böhnhardt und Beate Zschäpe untergetaucht sei. Mundlos, Böhnhardt und Zschäpe waren im Januar 1998 nach einer Garagendurchsuchung in Jena in den Untergrund gegangen.
Kritik an Geld von Verfassungsschutz
Der Verfassungsschutz habe so viele Spitzel im Umfeld seines Sohns gehabt, dass es unmöglich sei, dass der Geheimdienst nichts vom Aufenthaltsort der drei in Chemnitz gewusst haben wolle, erklärte Mundlos. Mit Blick auf eine damals bei seinem Sohn gefundene Adressliste sagte er: "Das ist doch kein NSU-Netz, das ist ein Verfassungsschutznetz."
Scharf kritisierte Mundlos auch die damaligen Zahlungen des Thüringer Verfassungsschutzes an den rechtsextremen V-Mann Tino Brandt. Die etwa 200.000 D-Mark, die er für seine Spitzeltätigkeit erhalten haben soll, habe Brandt in die rechte Szene investiert und so den rechtsextremen "Thüringer Heimatschutz" (THS) aufgebaut. "Der THS wäre nie, nie so gediehen, wenn der Thüringer Verfassungsschutz da nicht tüchtig Steuergelder reingesteckt hätte."
Vorwurf: Zehn Morde
Den Neonazis Mundlos, Böhnhardt und Beate Zschäpe werden unter anderem zehn Morde zur Last gelegt. Mundlos und Böhnhardt wurden im November 2011 tot in Eisenach in einem Wohnmobil gefunden. Zschäpe wird gegenwärtig in München der Prozess gemacht.