Leitindex

DAX knackt Rekordmarke von 13.000 Punkten

    In seiner 30-jährigen Geschichte war der Leitindex noch nie so hoch: Der DAX hat nach mehreren Anläufen die Marke von 13.000 Punkten geknackt. Er stieg um 0,2 Prozent auf 13.202 Zähler. Angetrieben wird die Rally seit Tagen von Spekulationen auf einen weltweiten Wirtschaftsboom.

    Der DAX beendete mit dem Angriff eine tagelange Durststrecke, in der er knapp unterhalb von 13.000 Punkten vor sich hin gedümpelt war. Mehrfach hatte er sich bis auf wenige Punkte genähert und dann wieder den Schwung verloren. "Die Marke war fällig und sie wurde mit reichlich Vorlauf und unsagbar zäher Annäherung genommen", sagte Daniel Saurenz von Feingold Research.

    Auch in der zweiten Börsenreihe wurden am Donnerstag teilweise Bestmarken erreicht. Der TecDax etwa legte um 0,60 Prozent auf 2525,04 Punkte zu und erreichte den höchsten Stand seit 16 Jahren. Der Kleinwerte-Index SDax stieg um ein halbes Prozent und schraubte seinen Rekord bis auf 12 131,80 Zähler nach oben. Dem MDax der mittelgroßen Werte jedoch fehlt noch etwas zu einer erneuten Bestmarke: er schloss 0,48 Prozent höher bei 26 059,46 Punkten.

    Die spannende Frage ist aber jetzt: Wie geht es weiter?

    DAX über 13.000 Punkte - und nun?

    Es gibt eine ganze Reihe von Gründen. Zum einen läuft die deutsche Wirtschaft rund. Und das schon seit Jahren. Entsprechend sprudeln die Gewinne - Anleger erhoffen sich ihren Anteil daran, etwa durch Dividenden.

    Zum anderen ist der DAX-Rekord auch der aktuellen Entwicklung in den USA zu verdanken, wo an der Wall Street schon seit Monaten eine Bestmarke nach der anderen erklommen wird. Hier hoffen Anleger unter anderem auf die Umsetzung der von Präsident Donald Trump versprochenen Steuerreform, welche vor allem mittelständische US-Unternehmen entlasten soll.

    Es kommt noch mehr hinzu. Seitdem die Finanzkrise vor zehn Jahren um ein Haar zu einer Kernschmelze der Wirtschaft geführt hätte, fluten die Notenbanken die Finanzmärkte mit billigem Geld. Das müssen die Investoren irgendwo anlegen - und weil die Zinsen immer noch so niedrig sind, setzen sie häufig auf Aktien. Erst langsam ebbt die Geldflut ab, wobei die US-Notenbank Fed der Vorreiter ist, während in der Eurozone kein Ende der lockeren Geldpolitik abzusehen ist.

    Nicht immer, aber oft. Eine gern zitierte Börsenweisheit lautet "Sell in May and go away, but remember to come back in September". Etwas holprig ins Deutsche übersetzt heißt das: "Verkaufe im Mai und wende Dich ab, aber denke daran, im September zurückzukommen."

    Tatsächlich gilt der September in der Börsenwelt als schwächster Monat des Jahres, in dem viele Aktien besonders günstig zu haben sind. Von da an greifen Anleger verstärkt bei den Papieren zu - der Beginn der viel zitierten Jahresendrally. Die Erwartung auf Kursgewinne erfüllt sich so gesehen quasi von selbst. Allerdings ist das alles nicht in Stein gemeißelt. So war der September 2017 ein außergewöhnlich guter Börsenmonat; der Dax hat hier die Hälfte seines bisherigen Jahresgewinns eingefahren.

    Tatsächlich ist und war wirtschaftliches Wachstum bislang immer Bestandteil der industrialisierten Gesellschaft. Das ist nicht nur politisch gewollt, es geht auch mit dem technischen Fortschritt einher. Natürlich ist diese Maxime nicht frei von Kritik - sogenannte Postwachstumsökonomen sagen, dass es uns ohne ständige Produktivitätssteigerungen besser gehen würde. Noch aber steigt der Wert, den Unternehmen Jahr für Jahr schaffen. Daran werden auch die Aktionäre beteiligt. Besitzer von Sparbüchern hängen dagegen bei ihren Zinsen vom Wohl und Wehe der Notenbanken und deren Geldpolitik ab.

    Die Deutschen sind einfach Börsenmuffel und scheuen das Risiko, was sicherlich zum Teil in ihrer Geschichte begründet liegt. Zwei Weltkriege, mehrere Börsencrashs und Hyperinflation haben ihren Tribut gefordert. Nach Angaben des Deutschen Aktieninstituts hält gerade einmal jeder siebte Bundesbürger Aktien oder Aktienfonds.

    Das Ergebnis: Während die Deutschen im europäischen Vergleich relativ viel Geld zur Seite legen, kommt am Ende relativ wenig dabei heraus. Laut Berechnungen der Allianz Versicherung brachten es die Deutschen zwischen 2012 und 2015 gerade mal auf 2,3 Prozent Rendite. Bei den Finnen, die vier Mal so viel in Aktien investieren wie der Durchschnitts-Deutsche, waren es 6,9 Prozent.

    (Quelle: Karolin Rothbart, dpa)

    Quelle: reuters