Transparenz

Fragen und Antworten zur ZDF-Berichterstattung

    Ist das ZDF "Staatsfernsehen"? Wer bestimmt die Reihenfolge der Themen im heute journal? Und: Dürfen Moderatoren eine Meinung haben? Fragen wie diese erreichen immer wieder die Redaktionen des ZDF. Hier finden Sie Antworten zur ZDF-Berichterstattung.

    Wo uns Verschwörungstheorien und Manipulationsvorwürfe begegnen, da wollen wir mit Transparenz und Offenheit reagieren. Wir möchten unsere Arbeitsweise erklären, noch deutlicher machen, wie der Nachrichten- und Sendungsbetrieb im ZDF funktioniert.

    Ist das ZDF "Staatsfernsehen"? Wer bestimmt die Reihenfolge der Themen im heute journal? Und: Dürfen Moderatoren eine Meinung haben? Da Fragen wie diese immer wieder die Redaktionen des ZDF erreichen, möchten wir gerne Antworten liefern.

    In einem ausführlichen Fragen-und-Antworten-Katalog erläutern wir Grundsätze unserer Arbeit, redaktionelle Entscheidungsprozesse und Hintergründe zu Aufsichtsgremien.

    Das ZDF hat als öffentlich-rechtlicher Sender eine besondere Verpflichtung gegenüber seinem Publikum. Wir wissen, wie wichtig die Berichterstattung in unseren Nachrichtensendungen, Magazinen oder Dokumentationen für den Zusammenhalt der Gesellschaft ist. Wir verstehen den Fragen-und-Antworten-Katalog genau wie die "Korrekturen"-Rubrik als Beitrag zur Offenheit gegenüber dem Beitragszahler.

    Peter Frey, Chefredakteur des ZDF

    Aufsicht und Grundsätze

    Nein - das ZDF ist kein "Staatsfernsehen", sondern öffentlich-rechtliches Fernsehen. Der Unterschied? "Staatsfernsehen" wird vom Staat (der Regierung und/oder dem Parlament) kontrolliert. Öffentlich-rechtliches Fernsehen wird dagegen von der Gesellschaft kontrolliert, nämlich von gesellschaftlich relevanten Gruppen. Im ZDF-Fernsehrat vertreten diese die Interessen der Allgemeinheit gegenüber dem ZDF.

    Ein weiterer Unterschied ist die Finanzierung: Beim "Staatsfernsehen" bestimmt der Staat, wie viel Geld ein Sender bekommen soll. Der Finanzbedarf des öffentlich-rechtlichen Rundfunks wird dagegen von einer unabhängigen Expertenkommission KEF überprüft. Die Finanzierung eines öffentlich-rechtlichen Senders erfolgt auch nicht über staatliche Gelder, also Steuern, sondern über eine Haushaltsabgabe. Dadurch soll eine möglichst große Unabhängigkeit der öffentlich-rechtlichen Sender vom Staat ermöglicht werden.

    Das Grundrecht der Rundfunkfreiheit (Art. 5 1 S. 2 GG) verlangt nach der Rechtsprechung des BVerfG für die institutionelle Ausgestaltung der öffentlich-rechtlichen Rundfunkanstalten eine Ausrichtung am Grundsatz der Vielfaltssicherung und eine konsequente Begrenzung des Anteils staatlicher und staatsnaher Mitglieder in den Aufsichtsratsgremien. Damit sind staatliche und staatsnahe Gremienmitglieder wie bspw. Politiker nicht ausgeschlossen, sie dürfen aber keinen bestimmenden Einfluss haben.

    Im ZDF-Fernsehrat sind neben Vertretern aus Arbeitgeber-, Arbeitnehmer-, Umwelt- und Wirtschaftsverbänden, Kirchen und Vertretern der Zivilgesellschaft etwa aus Wissenschaft, Kultur und Verbraucherschutz auch Politiker vertreten. Sie wirken dort als Repräsentanten von Bundesländern und des Bundes mit. Da staatliche oder staatsnahe Mitglieder keinen bestimmenden Einfluss haben dürfen, ist der Anteil vom Gesetzgeber auf ein Drittel beschränkt worden. Dass in den Kontrollorganen des ZDF auch Politiker vertreten sind, ist durchaus sachgerecht. Denn: Der öffentlich-rechtliche Rundfunk muss im Gegensatz zum privaten Rundfunk demokratisch legitimiert und kontrolliert werden. Die Zusammensetzung für Kollegialorgane muss darauf ausgerichtet sein, möglichst vielfältige Perspektiven und Erfahrungshorizonte aus allen Bereichen des Gremienwesens zu erfassen. Dazu gehören auch Politiker.

    Der Fernsehrat hat keinen unmittelbaren Einfluss auf das Programm. Weder bestimmt er, welche Sendungen gesendet werden, noch wirkt er an Beiträgen in irgendeiner Form mit. Er hat allenfalls mittelbaren Einfluss auf das Programm, da er für die Wahl des Intendanten zuständig ist, der wiederum den Chefredakteur und den Programmdirektor im Einvernehmen mit dem Verwaltungsrat ernennt. Zudem muss der Fernsehrat den vom Verwaltungsrat beschlossenen Haushaltsplan genehmigen.

    Der Fernsehrat hat die Aufgabe, für die Sendungen des ZDF Richtlinien aufzustellen und die Einhaltung dieser sowie des zu überwachen. Der Fernsehrat übt auch dabei keinen unmittelbaren Einfluss auf das Programm aus. Konkret: Ihm wird keine Sendung und kein Beitrag vorab zur Kontrolle vorgelegt. Der Fernsehrat prüft das Programm vielmehr im Nachhinein, wenn Beschwerden z.B. von Bürgern oder Verbänden erhoben werden. Denn jedermann hat das Recht, sich mit an den Fernsehrat zu wenden. Wenn der Fernsehrat nach rechtlicher Prüfung einen Verstoß gegen Programmgrundsätze feststellt, kann er eine Rüge aussprechen und auch beschließen, dass die Rüge im ZDF-Programm veröffentlicht werden muss.

    Die zentrale Aufgabe der Berichterstattung des ZDF besteht darin, den Zuschauern eine freie Meinungs- und Urteilsbildung im Hinblick auf alle wichtigen gesellschaftlichen Themen zu ermöglichen. Dazu muss die Vielfalt der in der Gesellschaft bestehenden Meinungen im Gesamtprogramm überparteilich, möglichst breit und vollständig dargestellt werden. Die Berichterstattung muss wahrheitsgetreu und vor allem in Nachrichtenformaten sachlich sein. Das ZDF ist den im Grundgesetz verankerten demokratischen und rechtsstaatlichen Werten verpflichtet. Angebote des ZDF beleuchten daher undemokratische Entwicklungen kritisch. Berichte des ZDF müssen die Menschenwürde, das Persönlichkeitsrecht und den Jugendschutz beachten.

    Redaktionelle Entscheidungsprozesse

    Im ZDF wird täglich in vielen Sitzungen über die eigene Berichterstattung diskutiert. Diese Debatten können auch zu bestimmten Verabredungen über die Art und Weise der Berichterstattung führen. Zum Beispiel, ob man das Foto des Piloten zeigt, der ein Germanwings-Flugzeug 2015 bewusst zum Absturz gebracht hat. Diese Verabredungen können durchaus als Vorgaben an die Autoren bezeichnet werden, allerdings nicht im Sinne einer Parteilichkeit für oder gegen eine Sache, sondern im Sinne der Sicherstellung der Anwendung professioneller journalistischer Prinzipien. Diese Verabredungen werden immer wieder neu diskutiert, insbesondere wenn es neue Erkenntnisse oder Entwicklungen gibt.

    Wenn ein Autor einen Nachrichtenbeitrag fertiggestellt hat, wird der Beitrag in aller Regel vom Schlussredakteur der Sendung abgenommen. Ausnahmen sind Beiträge, die aufgrund aktueller Entwicklungen unter besonderem Zeitdruck erstellt wurden. Der Schlussredakteur überprüft den Beitrag insbesondere auf Verständlichkeit, inhaltliche Korrektheit, Ausgewogenheit und sprachliche Genauigkeit. Sofern ein Verbesserungsbedarf besteht, klären Schlussredakteur und Autor Änderungen im Einvernehmen ab.

    Die Journalisten in den In- und Auslandsstudios sowie den Fachredaktionen des ZDF beobachten die politische und gesellschaftliche Entwicklung und sammeln wichtige Themen. Anhand dieser Themen bieten sie dann den Senderedaktionen des ZDF, wie z.B. dem morgenmagazin oder der drehscheibe, Beitragsthemen an. In den Senderedaktionen gibt es die sogenannten Planer. Diese Planer prüfen, welche Beitragsvorschläge für ihre Sendungen relevant sind und bestellen dann Beiträge bei den Studios oder Fachredaktionen. Die Planer der verschiedenen Redaktionen suchen aber auch eigenständig nach Themen, deren Aufarbeitung für die Zuschauer von Interesse ist. Sie beauftragen daraufhin nach Rücksprache mit der Redaktionsleitung ZDF-Journalisten in Studios, Fachredaktionen oder aus ihrer eigenen Redaktion, Beiträge zu diesen Themen anzufertigen.

    Die ZDF-Redaktionen müssen aus der Flut der täglichen Ereignisse eine Auswahl treffen. Das entscheidende Kriterium für die Frage, über welche Themen in welcher Reihenfolge berichtet wird, ist dabei das Interesse der Zuschauer. Natürlich gibt es aber nicht "den Zuschauer", sondern lauter Individuen mit zum Teil ganz unterschiedlichen Interessen. Das ZDF muss sich daher daran orientieren, welche Inhalte die Zuschauer regelmäßig als interessant einstufen.

    Erfahrungswerte und Studien zeigen, dass Zuschauer sich vor allem für solche Themen interessieren, die für große Gruppen der Bevölkerung gewichtige Folgen haben, Neuigkeitswert besitzen, ihre Lebenswelt betreffen und ihre politische Wahlentscheidungen beeinflussen können; außerdem für Themen, die wegen besonderer Dramatik, Kuriosität oder wissenschaftlicher Erkenntnis aus der Flut der täglichen Ereignisse herausragen. Für viele Zuschauer ist es auch wichtig, über unterschiedliche Bereiche der Gesellschaft, wie Politik, Sport und Kultur, informiert zu werden.

    Wegen der begrenzten Sendezeit und dem Wunsch vieler Zuschauer nach abwechslungsreichen Themen kann nicht über jedes gesellschaftlich relevante Ereignis eines Tages berichtet werden. Über welche Themen in der Sendung in welcher Reihenfolge und Ausführlichkeit berichtet wird, wird innerhalb der Redaktion diskutiert. Im Zweifel entscheidet die sogenannte Schlussredaktion oder die Redaktionsleitung.

    Ausgewogenheit wird in erster Linie durch das professionelle Bewusstsein der Mitarbeiter sichergestellt, dass diese zum Kern journalistischer Arbeit im ZDF gehört. Zudem ist es Aufgabe der Schlussredakteure, bei der Abnahme der Beiträge auf die Einhaltung dieses Prinzips zu achten. Ausgewogenheit bedeutet unter anderem, in der Berichterstattung unterschiedliche Sichtweisen zu einem Thema aufscheinen zu lassen oder bei Interviews die politischen Gesprächspartner mit in der Gesellschaft vertretenen Gegenpositionen zu konfrontieren. Auch aufgrund der zeitlichen Begrenztheit der Sendungsformate ist eine Ausgewogenheit aber nicht immer innerhalb einer einzigen Sendung zu erreichen. So kann eine ausgewogene Darstellung auch tagesübergreifend oder auch sendungsübergreifend gewährleistet werden, also im Verlauf mehrerer Tage oder Sendungen.

    Bereits in der Planungsphase wird innerhalb der Redaktionen darüber diskutiert, welche Themen und Beiträge in die Sendung genommen werden sollen. Am aktuellen Tag sind Inhalt, Art und Umfang der Berichterstattung Gegenstand intensiver und offener interner Debatten, um eine möglichst vielschichtige Abwägung einzelner Positionen und Perspektiven zu gewährleisten. Nach jeder ZDF-Sendung setzen sich die Redaktionsmitglieder der Sendung zusammen und besprechen diese. Welche Beiträge waren gelungen? Welche möglicherweise unverständlich? Wie haben die anderen Sender über das Thema berichtet?

    Außerdem findet im ZDF jeden Tag um 12 Uhr die sogenannte Schaltkonferenz statt. Dort treffen sich unter der Leitung des Chefredakteurs Redaktionsleiter und andere Führungskräfte aus dem ZDF; Studios und Redaktionen werden per Telefon- oder Videokonferenz dazu geschaltet. Neben einem Austausch über die Themen des Tages und etwaige Sondersendungen werden in jeder dieser Sitzungen ZDF-Sendungen von Kritikern aus jeweils anderen Redaktionen bewertet. Auch wird in der Schalte auf Kritik aus dem Fernsehrat, von Zuschauern oder anderen Medien eingegangen und offen über die Stichhaltigkeit dieser Kritik diskutiert.

    Oberste Priorität für das ZDF hat das Vertrauen seiner Zuschauer in die Glaubwürdigkeit der Berichterstattung. Vorwürfe, dass das ZDF falsch berichtet habe, werden von den Redaktionen deswegen intensiv geprüft. Stellt sich heraus, dass tatsächlich falsch berichtet wurde, gibt es grundsätzlich eine Richtigstellung auf unserer auf heute.de. Gewichtige Fehler korrigiert das ZDF zudem in den Sendungen, in denen die Falschmeldung verbreitet wurde. In jedem dieser Fälle wird darüber beraten, wie es zu der Falschmeldung kommen konnte und welche Konsequenzen daraus gezogen werden sollten, damit sich der Fehler möglichst nicht wiederholt.

    Das ZDF strahlte allein in den verschiedenen heute-Sendungen und dem heute journal 2015 über 8.000 Beiträge und Schaltgespräche aus. Falschmeldungen stellen dabei eine seltene Ausnahme dar. So gab es etwa in diesem Jahr nur in rund zwei Dutzend Fällen Korrekturen auf heute.de. Wenn falsch berichtet wird, handelt es sich um Fehler, die das ZDF zu vermeiden sucht, nicht um "absichtliche Handlungen", also nicht um "Lügen". Im Falle absichtlicher Falschmeldungen würden personelle, arbeitsrechtliche und organisatorische Konsequenzen gezogen.

    Experten werden befragt, wenn es darauf ankommt, schwierige Sachverhalte zu erklären oder einzuordnen. Experten für Sendungen oder Interviews können je nach Thema etwa Wissenschaftler, Politiker, Juristen oder Verbandsvertreter sein. Das ZDF achtet bei der Auswahl der darauf, dass es sich auch wirklich um Spezialisten für das jeweilige Thema handelt. Neben dem Spezialwissen ist auch von Bedeutung, ob sich die Experten vor der Kamera gut und präzise ausdrücken können. Denn das größte Wissen nützt dem Zuschauer nichts, wenn die Aussagen nur schwer verständlich sind.

    Wenn es zu einem Thema unterschiedliche Expertenmeinungen gibt, achtet das ZDF darauf, dass auch unterschiedliche Experten im Gesamtprogramm zu Wort kommen oder durch die Moderatoren klargestellt wird, dass es auch andere Expertenmeinungen gibt. Selbstverständlich können aber nicht in jeder Sendung sämtliche gegenläufige Expertenmeinungen vorkommen, denn dies würde regelmäßig die Sendezeit sprengen.

    Das ZDF greift auch auf eigene Experten zurück. Dies sind ZDF-Journalisten etwa aus den Fachredaktionen des ZDF, die sich mit bestimmten Themen wie beispielsweise Umwelt, Terrorismus, Rechtsfragen oder Doping intensiv und seit vielen Jahren beschäftigen.

    Ein wichtiges Kriterium für die Auswahl der Gäste ist die Ausgewogenheit. Die in der Gesellschaft vertretenen Meinungen zum Thema der Sendung sollen möglichst durch verschiedene Gäste repräsentiert werden. Beispielsweise werden nicht allein Regierungsvertreter, sondern regelmäßig auch Oppositionspolitiker eingeladen, die gegensätzliche Meinungen in die Gesprächsrunde einbringen. Bei maybrit illner kommen aber nicht bloß Politiker zu Wort, sondern auch Wissenschaftler, Verbandsfunktionäre, Vertreter der Zivilgesellschaft, Journalisten oder Betroffene. Entscheidend ist, dass die Gäste eine bestimmte Position zu dem Thema der Sendung eloquent vertreten und sich in der Vergangenheit bereits intensiv mit dem Thema beschäftigt haben.

    Durch den kontroversen Meinungsaustausch der Gäste und der Moderatorin kann der Zuschauer sich eine eigene Meinung über das Thema bilden oder seine bisherige Meinung weiterentwickeln und hinterfragen. Wegen der begrenzten Anzahl an Gästen ist es dabei aber meist nicht möglich, sämtliche in der Gesellschaft vertretenen Meinungen auch durch einen Gast vertreten zu lassen. Die Moderatorin konfrontiert ihre Gäste aber auch mit anderen gesellschaftlichen Meinungen, so dass auch diese Eingang in die Sendung finden.

    Bei der Wahlberichterstattung orientiert sich das ZDF an dem von der Rechtsprechung entwickelten Angebot der abgestuften Chancengleichheit. Diese stellt darauf ab, ob die jeweilige Partei im Rahmen des redaktionellen Gesamtkonzepts aller auf die Wahl bezogenen Sendungen bzw. Beiträge entsprechend ihrer Bedeutung angemessen berücksichtigt wird.

    Für die Ausgewogenheit der Vorwahlberichterstattung insgesamt können insbesondere folgende Kriterien relevant werden:

    • Bedeutung der Parteien im Allgemeinen (zum Beispiel aufgrund früherer Wahlerfolge, Parlamentszugehörigkeit im Bundestag oder Landtagen, Umfrageergebnisse)
    • Bedeutung der Parteien hinsichtlich besonderer Themenstellungen
    • Aktueller Bekanntheitsgrad von Parteien oder Politikern
    • Grad und Ausrichtung des Öffentlichkeitsinteresses
    • Presseresonanz und aktuelle Bedeutung bestimmter Themen

    Im ZDF werden auch Positionen der kleineren Parteien in der Vorwahlberichterstattung im laufenden Programm berücksichtigt, in dem sie inhaltlich in den unterschiedlichen Sendungen themenbezogen aufscheinen.

    Einen Einblick, wie ein typischer Tag im heute journal aussieht, zeigt dieser kurze Film.

    Moderatoren und Redakteure

    Die Frage kann nicht pauschal beantwortet werden, sondern es kommt dabei maßgeblich auf das Sendeformat bzw. die Beitragsart an. In den heute-Nachrichten ist es grundsätzlich nicht Aufgabe der Moderatoren, Vorgänge zu bewerten oder ihre persönliche Meinung mitzuteilen. Im Vordergrund stehen sachliche Informationen und ausgewogene Darstellungen.

    Anders sieht es zum Beispiel bei Magazin-Sendungen aus, wie etwa dem heute journal oder in besonderer Weise bei dem kritischen Investigativmagazin Frontal 21. Am Abend haben viele Zuschauer das Bedürfnis nach Einordnung, Gewichtung und Bewertung der Ereignisse des Tages, zeigen Studien. Dieser Erwartungshaltung tragen die Moderatoren des heute journal Rechnung.

    Es gehört auch zur Aufgabe von Korrespondenten und Reportern, auf Grundlage ihrer Recherchen und - häufig jahrelangen - Erfahrungen vor Ort Einordnungen vorzunehmen. Sowohl bei den Moderatoren als auch bei den Reportern geht es dabei weniger um individuelle Meinungen, sondern vielmehr um – sachlich begründbare – Haltungen und Blickwinkel unter denen die Bedeutung der Ereignisse des Tages ausgelotet werden.

    Würden Moderatoren die Antworten des Gesprächspartners nur abnicken, kämen die in der Gesellschaft vertretenen Gegenargumente im Interview gar nicht zur Sprache. Es ist deshalb eine zentrale Aufgabe von Moderatoren, zu jedem Gesprächspartner die gleiche Distanz zu halten, kritische Nachfragen zu stellen und auch Gegenpositionen einzunehmen. Und zwar auch dann, wenn der Moderator die politische Ansicht seines Interviewpartners persönlich teilen sollte. Es gilt, verschiedene relevante Aspekte abzufragen, die es dem Zuschauer ermöglichen, sich ein Gesamtbild der Lage zu machen.

    Ja. Denn der Journalistenberuf kann und soll nicht abgekoppelt von der Gesellschaft ausgeübt werden. Jeder Journalist hat auch die Möglichkeit, sich privat gesellschafts- oder parteipolitisch zu engagieren. Professionelle Journalisten müssen zwischen ihrem persönlichen Engagement als Staatsbürger und ihrer journalistischen Tätigkeit differenzieren können.

    Das ZDF achtet aber darauf, dass Interessenkonflikte vermieden werden. Deswegen brauchen alle Mitarbeiter des ZDF eine Genehmigung, wenn sie eine Nebentätigkeit in Verbänden, Stiftungen oder anderen Einrichtungen ausüben wollen. Die Genehmigung wird versagt, wenn zu befürchten ist, dass die Nebentätigkeit die journalistische Objektivität beeinträchtigen könnte.

    Zudem wird einer interessengeleiteten Berichterstattung auch dadurch entgegengewirkt, dass das ZDF darauf achtet, dass Journalisten in den Redaktionen des ZDF in Bezug auf ihre Herkunft, ihr Geschlecht und ihre Grundüberzeugungen zu gesellschaftlich strittigen Fragen möglichst die Unterschiedlichkeit unserer Gesellschaft widerspiegeln.

    Berichterstattung

    Die Quellen der ZDF-Berichterstattung sind zum einen die beim ZDF beschäftigten Reporter und Korrespondenten in den Auslands- und Inlandsstudios des ZDF. Das ZDF unterhält neben dem Hauptstadtstudio in allen Bundesländern und weltweit ein Netz an Studios. Zum anderen greift das ZDF auf Informationen von bekannten deutschen und internationalen Nachrichtenagenturen zurück. Quellen sind zudem Behördenangaben und andere Medien in Rundfunk, Print und Online. Aber auch Informationen in sozialen Medien oder von Informanten und sonstigen Hinweisgebern finden Eingang in die Berichterstattung.

    Zuweilen kommt es vor, dass etwa in sozialen Netzwerken schon Meldungen kursieren, während sich das ZDF mit der Berichterstattung noch zurückhält. Dies liegt daran, dass im ZDF zur Vermeidung von Falschmeldungen das Zwei-Quellen-Prinzip gilt. Dies bedeutet, dass Informationen, wie etwa ein Anschlag oder Unglücksfall, nur dann als feststehend dargestellt werden, wenn zwei unabhängige Quellen den Vorfall bestätigen. Wenn nur ein Medium über ein Ereignis berichtet, steht für das ZDF hingegen noch nicht fest, dass die Meldung auch tatsächlich stimmt. Dies wird deutlich gemacht, indem auf das andere Medium hingewiesen wird (z.B. "wie die 'Süddeutsche Zeitung' berichtet ..."). Eine Ausnahme vom Zwei-Quellen-Prinzip wird gemacht, wenn Informationen von einer sogenannten Primärquelle stammen. Das sind zum Beispiel Behördenangaben über Arbeitslosenzahlen.

    Journalisten befinden sich bei der Frage, ob sie die Herkunft eines Täters oder eine andere Gruppenzugehörigkeit in einem Bericht erwähnen, in einer anspruchsvollen Entscheidungssituation. Selbstverständlich dürfen in einem Bericht keine wichtigen Tatsachen unterschlagen werden. Journalisten müssen sich aber fragen, warum sie gerade ein bestimmtes persönliches Merkmal erwähnen, andere Merkmale aber unerwähnt lassen. Warum sollte z.B. stets auf die Nationalität des Täters hingewiesen werden, nicht aber auf den Beruf, eine etwaige Arbeitslosigkeit, den Familienstand, die Anzahl der Kinder, die Religionszugehörigkeit, die Haut-, Augen- und Haarfarbe, die sexuelle Orientierung, den psychischen Gesundheitszustand usw.?

    Mit der isolierten Erwähnung eines bestimmten Persönlichkeitsmerkmals wird unter Umständen gegenüber dem Zuschauer suggeriert, dass dieses Merkmal für das Verständnis der Tat und der Täterpersönlichkeit von Bedeutung ist. Damit einher geht die Gefahr der Gruppendiskriminierung durch die Berichterstattung. Das ZDF ist gemäß seiner angehalten, die Zugehörigkeit eines Straftäters zu einer Gruppe nur dann zu nennen, wenn dies für das Verständnis der Tatumstände und gesellschaftlichen Hintergründe tatsächlich von Bedeutung ist.

    Das ZDF ist gesetzlich zur Wahrung von Persönlichkeitsrechten verpflichtet. Hierzu gehört das sogenannte Recht am eigenen Bild. Dies bedeutet, dass in der Regel Bildnisse von Personen nur mit deren Einwilligung verbreitet werden dürfen. Hiervon gibt es Ausnahmen, etwa bei Versammlungen, wenn eine Person nur am Rande des Geschehens zu sehen ist oder es sich um die Berichterstattung über ein zeitgeschichtliches Ereignis handelt. Es ist Aufgabe des ZDF, über bedeutende Straftaten, Ermittlungs- und Gerichtsverfahren zu berichten. Medien müssen aber rechtlich beachten, dass Beschuldigte durch identifizierende Berichterstattung stigmatisiert werden können – auch wenn sie später freigesprochen werden.

    Wenn es um die Frage geht, ob ein Angeklagter im Bild gezeigt werden kann oder soll, müssen verantwortungsvolle Medien abwägen. Wiegt das Interesse der Öffentlichkeit an einer Namens- und Bildnisveröffentlichung schwerer oder das Anonymisierungsinteresse eines Angeklagten, der nicht genannt und gezeigt werden will? Diese Abwägung stellt eine nicht immer leicht zu treffende Einzelfallentscheidung dar. Daher kommt es in Grenzfällen vor, dass einige Medien Angeklagte unverpixelt zeigen, andere aber verpixelt.

    In vielen Beiträgen finden sich Aufnahmen, in denen etwa ein Interviewpartner zu sehen ist, wie er einen Gang entlang geht oder an seinem Schreibtisch sitzt. Diese werden angefertigt, damit in einem Beitrag Filmmaterial zur Verfügung steht, um einen Interviewpartner vorzustellen und nicht gleich mit den Interviewaussagen einsteigen zu müssen. Hierzu wird der Interviewpartner gebeten, sich in der entsprechenden Umgebung (z.B. in seinem Büro) so zu verhalten, als wenn das Kamerateam nicht da wäre (z.B. Arbeiten am Schreibtisch).

    Manchmal werden Interviewpartner auch gebeten, ihre Aussage nochmals in anderen Worten zu wiederholen, damit diese kürzer oder verständlicher ist und damit für den Beitrag besser Verwendung finden kann. Teilweise werden zur besseren Darstellung bestimmter Vorgänge in der Vergangenheit auch Szenen nachgestellt. In diesem Fall erfolgt während der Ausstrahlung grundsätzlich die Einblendung: "Szene nachgestellt".

    Die heute.de-Redaktion schickt eine Eilmeldung an die Nutzer der ZDFheute-App, wenn sie eine Nachricht für einen großen Teil der User als so bedeutsam und interessant erachtet, dass diese unmittelbar darüber informiert werden sollten. Etwa bei wichtigen politischen Entscheidungen, einem Anschlag oder großem Unglück, aber auch bei relevanten Sport-Ergebnissen.

    Bei herausragenden wichtigen Ereignissen beschließt die Chefredaktion, dass eine Sondersendung im ZDF ausgestrahlt wird, etwa ein ZDF spezial oder ein heute spezial.

    Berichtewerden vor allem in Nachrichtenformaten ausgestrahlt. Ein Bericht soll den Zuschauer über zentrale Geschehnisse informieren, wobei je nach Beitragslänge auch Hintergründe vermittelt werden können. Ein Bericht enthält vorrangig Sachinformationen sowie die Wiedergabe von verschiedenen Positionen und Einschätzungen.

    Wesentlich für eine Reportageist, dass dem Zuschauer das Geschehen nicht nur mitgeteilt, sondern auch gezeigt wird und er somit Geschehnisse besser nachvollziehen kann. In einer Reportage wird ein Sachverhalt oft aus der Sicht einer bestimmten Person dargestellt, indem diese z.B. filmisch begleitet wird. Im ZDF gibt es einerseits lange Sendungen, die sich ausschließlich der Reportage widmen, andererseits können Reportagen von etwa drei bis zehn Minuten Länge auch in Magazinsendungen, wie etwa Frontal 21, dem auslandsjournal oder dem heute journal auftauchen.

    In einem Kommentaräußert ein Journalist oder eine andere Person ihre persönliche "Meinung". Ein Kommentar muss grundsätzlich als solcher gekennzeichnet werden, entweder durch Vorankündigung oder Einblendung von "Kommentar", "Meinung" oder "Zwischenruf".

    Quelle: ZDF